Geschichte - Die Fischzucht hat in Österreich eine sehr lange Tradition!
Die ersten Erwähungen von Fischzuchten bzw. von Teichanlagen finden sich bereits im ersten Jahrhundert vor Christus bei den römischen Schriftstellern Cicero und Plinius. Es dürfte sich dabei vor allem um Hälteranlagen zur Lebendaufbewahrung der leichtverderblichen Fische gehandelt haben.
Der Ursprung der heutigen Fischzucht liegt um 500 n.C. in der Karpfenzucht und ist eng mit der Geschichte der Klöster verbunden. Die ersten Bücher über Teichwirtschaft, Jahresklassenzucht, Errichtung von Laich- und Brutteichen, Fütterungsplänen und Methoden zur Krankheitsbekämpfung stammen aus dem 16. Jahrhundert.
Ludwig Jacobi (1711 – 1784), ein deutscher Landwirtssohn, kam Anfang des 18. Jahrhunderts auf die Idee, Fischen Eier und Samen zu entnehmen und die Eier dann künstlich zu befruchten und zu erbrüten. Es dauerte aber noch gut hundert Jahre bis der erste staatliche Forellenzuchtbetrieb 1854 in Hüningen entstand. Ab dann verbreitete sich die „künstliche Forellenzucht“ auf breiter Basis in ganz Mitteleuropa.
Zwischen 1880 und 1890 wurden erstmalig Regenbogenforellen aus Kalifornien importiert, dies war ein Meilenstein in der heimischen Fischzucht. Bei weiteren Einfuhren wurden weitere Unterarten der Regenbogenforelle (Steelhead, Shasta, Kamloops- Rotband) mitgebracht und wahllos untereinander gekreuzt und als Regenbogenforelle vermarktet. So wurde diese „Art“, Regenbogenforelle, in der ganzen Welt verbreitet. Heute ist die Regenbogenforelle aus der heimischen Speisefischproduktion nicht mehr wegzudenken. Mit der Regenbogenforelle wurde auch der Bachsaibling aus Amerika eingeführt, er verträgt besonders niedere Wassertemperaturen und ist ebenfalls ein beliebter Speisefisch geworden.
Forellenzucht - Fischzucht ist ein Teil der Landwirtschaft!
Vorarlbergs Aquakultur beschränkt sich auf die Forellenzucht. Sieben größere Betriebe produzieren seit Jahren relativ konstant etwa 300 Tonnen Forellen pro Jahr – dabei handelt es sich überwiegend um Regenbogenforellen in Portionsgröße. Dies sind etwas mehr als 10 % der gesamten Forellenproduktion in Österreich. Die Fische werden überwiegend selbst an Einzelhändler oder Endverbraucher vermarktet. Zudem gibt es noch einige kleine Direktvermarkter, die die Forellenzucht als Nebenerwerb betreiben.
Die typische Forellenzucht in Vorarlberg besteht aus Naturteichen mit guter Wasserversorgung mit sommerkühlem Quellwasser. Von entscheidender Bedeutung für die Forellenzucht ist die Menge und die Qualität des genutzten Wassers. Salmoniden (Forellen, Saiblinge, Äschen) brauchen kühles sauerstoffreiches Wasser, das durch die Becken fließt und sie mit ausreichend Sauerstoff versorgt. Bei einem Zufluss von einem Liter/sec. können zwischen 70 und 100kg Forellen gehalten werden. Um eine artgerechte Haltung zu gewährleisten, muss der Zufluss so hoch sein, dass das Teichwasser zumindest 4-5 mal/Tag ausgetauscht wird. Somit wird Forellenzucht im Durchfluss betrieben.
Forellenartige sind Räuber, die sich in der Natur vor allem von Insekten und Insektenlarven, später auch von Fischen, wie Koppen und Elritzen, aber auch von kleineren Individuen der eigenen Art, ernähren. Sie müssen daher regelmäßig mit proteinreichem Futter gefüttert werden.
Das Futter muss hohe Qualitätsstandards erfüllen. Es müssen die nötigen Eiweiße, Aminosäuren, Fettsäuren, Vitamine, Mineralstoffe die die Forellen benötigen, in ausreichender Menge im Futter enthalten sein. Daher unterliegen die Futtermittel strengen Kontrollen bezüglich ihrer Inhaltstoffe und Zusammenstzung.
Das Forellenfutter besteht überwiegend aus Protein, Fett, Kohlenhydraten und Rohfaser. Das Rohmaterial für die Herstellung des Futters setzt sich zu 30 % aus Fischmehl, zu 15 % Fischöl und zu 55 % aus pflanzlichen Stoffen zusammen. Der pflanzliche Anteil wird durch die ständige Forschung auf diesem Gebiet fortwährend gesteigert.
Vom Ei zum Speisefisch
Forellen werden zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr geschlechtsreif. Die Männchen nennt man Milchner, die Weibchen Rogner. Zudem wird noch zwischen Herbst und Frühjahrslaichern unterschieden.
In der Natur legen Forellen ihre Eier das gut durchströmte Kiesbett eines Gewässer ab. Dafür schlagen sie, mit der Schwanzflosse, Laichgruben in die sie dann ihre Geschlechtsprodukte abgeben.
In der Fischzucht werden die Geschlechtsprodukte der laichreifen Fische durch leichten Druck entlang der Bauchseite „abgestreift“. Eier (Rogen) bzw. Samen (Milch) fließen dabei aus der Geschlechtsöffnung. Beides wird vermischt und nach Zugabe von Wasser erfolgt die Befruchtung. Anschließend quellen die ursprünglich sehr weichen Eier durch Wasseraufnahme stark auf, dadurch werden sie deutlich größer und härter.
In weiterer Folge werden die Eier unter Wasser in Gitterboxen, Aufzuchtrinnen oder so genannten Brutschränken aufgelegt.
Die optimale Erbrütungstemperatur beträgt 7 – 8 °C. Wichtig für die Erbrütung ist eine gute Wasserqualität. Die Erbrütungsdauer beträgt je nach Temperatur 1 bis 2 Monate. Speziell in der ersten Phase der Entwicklung sind die Eier sehr stoß- und lichtempfindlich.
Die Larven besitzen einen Dottersack, den sie im Laufe von 2 – 4 Wochen aufbrauchen. Während dieser Zeit bewegen sie sich nur wenig. In der Natur würden sie sich in der Zeit im Lückenraumsystem der Kiesbänke vor Fressfeinden schützen. Erst dann füllen sie ihre Schwimmblase und beginnen aktiv Nahrung aufzunehmen.
Die Aufzucht erfolgt zunächst in Rund- oder Langstrombecken. Nach etwa 2 Monaten, mit einer Länge von zirka 6 cm, kommen die Fische in größere Becken oder Teiche.
Frühestens nach weiteren 12 Monaten haben die schnellwüchsigsten Forellen dann ihr Portionsgewicht von ca. 350 g erreicht.
Zukünftige Teichbetreiber und Interessierte finden im Download eine Checkliste für Fischteichanlagen, sowie eine Liste mit Produktionsstandards.
Für Investitionen in Teichanlagen gibt es ein Förderprogramm der EFF.
Informationen zu Aus- und Weiterbildung im Bereich Fischerei finden sie auf der Homepage des Instituts für Gewässerökologie, Fischereibiologie und Seenkunde.
Wissenswertes
Der Pro-Kopf-Verbrauch an Fisch in Österreich liegt derzeit bei 7,5 kg pro Jahr (Vergleich BRD: 15,0 kg). Im europaweiten Vergleich ist dies zwar niedrig, jedoch ständig im Steigen begriffen. Außerdem sind Süßwasserfische immer noch nur ein Nischenprodukt, überwiegend wird Meeresfisch und Lachs verzehrt. Der Anteil der Forellen am heimischen Fischkonsum beträgt deutlich unter 1 kg pro Kopf und Jahr! Dazu kommt, dass nur etwa die Hälfte des Bedarfes an Forellen aus der regionalen Produktion stammt – die andere Hälfte ist billigere Importware !
Warum Fische aus anderen Ländern importieren, wenn wir regional in unseren klaren und sauberen Gewässern besser und gesünder Fische erzeugen und diese noch dazu lebendfrisch auf den Tisch bringen können?
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:
Mag. Nikolaus Schotzko
Abteilung Va-Landwirtschaft
Landhaus
6901 Bregenz
Telefon: +43 (0) 5574 / 511 - 25113
Email: nikolaus.schotzko@vorarlberg.at
Download:
Checkliste Fischteiche Stand Juni 2010 (115 kB)
Registrierung Aquakultur (242 kB)
Ausfüllhilfe für Antragsteller Registrierung Aquakultur (72 kB)
Die erforderlichen Programme zum Anzeigen und Abspielen finden Sie hier: Download Programme