vorarlberg.at · Landesgeschichte · Ausstellungen des Vorarlberger Landesarchivs · Archivale des Monats - 2010
Gründungsurkunde der Hohenemser Fasnachtgesellschaft 1760
Bernisches Kriegs-Erxercitium
Feldkircher Neustadt 1804: vorne links das Gasthaus Krone, rechts das Rathaus (Schützenscheibenmuseum Feldkirch)
Gründungsurkunde, 12. Februar 1760
Dass sich die Fasnacht auch in höheren Kreisen großer Beliebtheit erfreute, bezeugt eine Hohenemser Fasnachtsgesellschaft von 1760. Ihr gehörten zwei Priester und die Beamten der Reichsgrafschaft Hohenems an, auf die Österreich kurz zuvor Anspruch erhoben hatte. Sie legten das humorvolle Gründungsdokument in den Amtsakten ab.
Die Herren beschlossen, da man 1759 den Kriegsgöttern so viel geopfert habe, dem fast vergessenen Freudengott Bacchus ein gebührendes Brandopfer darzubringen. Dazu sollen sie sich am frühen Morgen des 13. Februar (Mittwoch vor dem gumpigen Donnerstag) nach Feldkirch begeben, um dort im Rathaus ein Fasnachtsspiel anzusehen. § 1 der Statuten verpflichtet alle, im Wirtshaus Krone einzukehren. Von dort sollen sie sich im direkten Weg zur Aufführung der Komödie begeben und danach sofort wieder in die Krone zurückkehren. § 2 verbietet den Mitgliedern der Gesellschaft, auf eigene Faust irgendwelche andere Besuche zu machen. § 3 bestimmt, dass Zuwiderhandlungen durch Zahlungen eine Fasnachtjause („fasnachts Merenda“) geahndet werden; der Aktuar hat dazu eine zusätzliche Dublone zu erlegen. § 4 besagt, dass niemand befugt ist, irgendetwas gegen den ausdrücklichen oder stillschweigenden Willen des Bundes zu unternehmen, unter welchem Vorwand auch immer das geschehen möge. Diese Statuten haben die Kraft eines Gesetzes und werden entsprechend publiziert und bestätigt.
Die Fasnacht stand in Feldkirch in hoher Blüte. Dazu trug das Schultheater des Jesuitengymnasiums jährlich mit der Aufführung eines Fasnachtsspiels bei. Vielleicht kam 1760 eine Militärparodie zur Aufführung. Das könnte erklären, weshalb unserer Hohenemser Gründungsurkunde ein „Wohl reguliertes Bärnisches Kriegs-Exercitium“ beiliegt.
Ulrich Nachbaur
VLA: Reichsgrafschaft Hohenems 164,20
Literatur:
Anton Ludewig, Das Feldkircher Schultheater im XVII. und XVIII. Jahrhundert, in: 75 Jahre Stella matutina. Festschrift, Bd. 1. Feldkirch 1931, S. 257-379